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Reisebericht

Gewaltiges nächtliches Spektakel – mit Hirschrufer Tasso Wolzenburg durch den Wald

· 1 Bewertung · von Stefanie Stoltenberg · 28.08.2020 · Reisebericht · Siegerland-Wittgenstein
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  • Foto: Friedhelm Stark, Touristikverband Siegerland-Wittgenstein e.V.
Der laue Sommerabend ist dämmrig, die schmale Mondsichel spendet kaum Licht. Es ist ruhig im Wald, als wir unterwegs sind und vorsichtig auf leisen Sohlen über den weichen, duftenden Waldboden schleichen. Die ersten Blätter haben sich schon gelb verfärbt und ein Hauch von Herbst liegt in der Luft. Wir versuchen, mucksmäuschenstill zu sein und die Ohren zu spitzen. Denn ganz in der Nähe im Wald ist ein kapitaler Rothirsch und wir warten darauf, dass er auf die besonderen Rufe von Tasso Wolzenburg reagiert.

Dann plötzlich ein Rascheln und Knacken direkt vor uns – was war denn das? War das schon der Hirsch, den wir suchen? Ein kleines Ästchen bricht unter dem Fuß und hallt nach. Wir horchen in die Stille des Waldes und versuchen zu sehen, was sich vor uns befindet. Tasso Wolzenburg lauscht und ruft dann noch einmal nach dem beeindruckenden Tier. Mit beiden Händen hält er sich ein ausziehbares Rohr vor den Mund und ahmt gekonnt die Brunftschreie des Rotwildes nach.

Es raschelt wieder und ein großer Hirsch erscheint auf der Waldlichtung. Er beäugt uns neugierig und fragt sich wohl, was wir hier in seinem Wald machen. Dann zeigt er uns ganz klar und deutlich, wer hier der Chef ist. Er röhrt – tief und laut. Der Platzhirsch verteidigt sein Territorium. Seine Stimme trägt weit und imponiert nicht nur den weiblichen Tieren. Auch wir haben Respekt und sind froh, dass Fachmann Tasso Wolzenburg bei uns ist. Aus der Nähe ist so ein stolzer Rothirsch doch ganz schön groß und das mächtige Geweih sieht auch echt beeindruckend aus.

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Zwischen Ende August und Anfang Oktober findet jährlich die Hirschbrunft statt. Während viele andere Tiere sich jetzt ihren Winterspeck anfressen, sind die Hirsche im Stress der Paarungszeit. Vor allem die Männchen, die jetzt ihre Territorien und ihre Weibchen verteidigen müssen. Sie wollen sich fortpflanzen und zeigen ihre Dominanz unter anderem mit ihren Brunftschreien. Nach Einbruch der Dämmerung hallt ihr Röhren durch den Wald. Gemeinsam mit Tasso Wolzenburg kann man diese imposanten, oft scheuen Tiere hautnah erleben. Die Hirschbrunft ist ein gewaltiges Spektakel und zeigt die atemberaubende Schönheit und Faszination der Natur.
Schon als Junge war Tasso Wolzenburg viel im Wald unterwegs. Sein Vater und sein Großvater haben ihn mitgenommen und bei ihm wuchs die Leidenschaft für diesen besonderen Lebensraum. Jahre später hat er seine Leidenschaft zum Beruf und zum Hobby gemacht. Tasso Wolzenburg kennt den Wald hier rund um das Forsthaus Hohenroth wie seine Westentasche. Er arbeitet schon seit 1989 für das regionale Forstamt Siegen-Wittgenstein und auch privat streift er immer wieder gerne umher. Seit fast 20 Jahren ist er auch am „Forsthaus Hohenroth“ tätig:
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„Beim „Forsthaus Hohenroth“ gibt es seit 2006 ein rund 50 Hektar großes Rotwildgehege. Der Chef dieses Geheges war lange ein hoch kapitaler Hirsch namens „Manni“. Zu ihm hatte ich eine ganz besondere Beziehung, er war mein bester vierbeiniger Freund. Und er war der Besuchermagnet hier oben. Alle wollten „Manni“ sehen und bewundern. Bei meinen Führungen habe ich zweimal „Manni“ gerufen und der alte, dicke Hirsch folgte meinem Rufen. Leider ist er inzwischen nicht mehr da, dafür sind zwei seiner Söhne ebenfalls zu kapitalen Hirschen herangewachsen. Zu Alnuss habe ich ebenfalls ein sehr gutes Verhältnis, auch er kommt, wenn ich rufe“, erzählt Tasso Wolzenburg voller Begeisterung.

„Ab dem Frühjahr, Mai bis Juni, beschäftigen sich die Hirsche immer länger und mehr und mehr mit dem Fressen, denn Ende August muss der Körper voll da sein – zum Brunftbeginn. Ausgewachsene Tiere haben dann ein Lebendgewicht von 250 bis 280 Kilogramm! Gleichzeitig ist ihr Testosteronspiegel so hoch, dass sie keinen Schmerz und kein Leid spüren – anders würden sie die Brunft auch nicht überleben“, erklärt der Fachmann. „Das Geweih kann insgesamt bis zu elf Kilogramm wiegen und über einen Meter lang sein! Da kann man sich mal vorstellen, welche starken Nackenmuskeln so ein Tier haben muss.“

Tasso Wolzenburg ist einer der besten Hirschrufer Deutschlands, er war mehrfach Deutscher Meister im Hirschrufen und hat auch schon europaweit an Meisterschaften teilgenommen. Auch im Radio und Fernsehen war er schon mehrfach zu bestaunen. Seine Liebe zur Natur und den Respekt für Tiere, Pflanzen und Umwelt bemerken wir bei jedem Wort. Er nimmt gerne Besucher mit in den Wald und führt uns zu wunderschönen, verwunschenen Plätzen und zeigt uns die Natur. Wir sind begeistert dabei, denn man merkt, Tasso Wolzenburg kennt sich aus. Er inspiriert, informiert und fasziniert seine Zuhörer – egal ob jung oder alt, ihm hört jeder gerne zu.

Hirschrufer Tasso Wolzenburg
Hirschrufer Tasso Wolzenburg

Tasso Wolzenburg, Jahrgang 1965, ist ausgebildeter Forstwirt und sein Revier kennt er bereits seit seiner Kindheit. Als Angestellter des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen pflegt er den Wald, bietet Führungen und Exkursionen an und kümmert sich um das Rotwildgehege. Er ist im pädagogischen Einsatz mit Schulklassen aus ganz NRW am Jugendwaldheim Gillerberg in Hilchenbach-Lützel und unterstützt aktuell die Forstbetreuung im Bereich der Borkenkäferproblematik. Außerdem ist er auch noch Kettensägenkünstler und schnitzt Holzskulpturen in allen Größen.

Hirsch: Ein ausgewachsener Rothirsch ist eine imposante Erscheinung. Nur die Männchen tragen ein Geweih, das sie immer im Frühjahr abwerfen. Grob sagt man, in etwa 130 Tagen wächst ein komplett neues Geweih – inklusive Fegen. Das Geweih, das bis Anfang August wächst, ist größer als das bisherige. Anfangs ist das neue Geweih von einer durchbluteten und behaarten Haut überzogen, der Basthaut. Am Ende der Wachstumszeit beginnt der Hirsch diese Haut abzustreifen, indem er das Geweih an Zweigen und Baumstämmen reibt. Fegen nennen das Jäger oder Wildbiologen. Die Farbe der Geweihe entsteht durch die Farben der Natur, d. h. wenn der Hirsch sein neues Geweih hauptsächlich an Fichten fegt, ist es sehr dunkel, manchmal fast schwarz. Lebt er inmitten von Weiden und Birken, dann färbt deren Saft sein Geweih eher hell.


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Stefanie Stoltenberg
Aktualisierung: 28.08.2020

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